
Lein ist eine erstaunlich vielseitige Pflanze: Aus seinen Fasern entstehen Stoffe, aus den Samen wertvolles Leinöl und gleichzeitig steckt in den kleinen Leinsamen jede Menge Gutes für unsere Verdauung.
Allgemeines & Trivia
Leinenstoff und Leinsamen stammen von ein und derselben Pflanze: dem Lein. Die vielseitige Kulturpflanze liefert sowohl die Fasern für die Herstellung von Leinenstoff als auch die Samen, aus denen wertvolles Leinöl gewonnen wird. Lein (Linum usitatissimum) ist eine der ältesten Kulturpflanzen und wurde bereits vor mindestens 7000 Jahren angebaut.
Der Name Lein leitet sich vom Lateinischen linum ab, das mit Garn oder Faden übersetzt wird und auf die Nutzung als Faser hinweist. Der „zweite“ Name, usitatissimum, bedeutet so viel wie „der Allernützlichste“ und weist auf die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten der Leinpflanze hin: als Faser für Kleidung (Leinen bzw. Flachs), als wertvolles Omega-3-fetthaltiges Speiseöl oder auch als Basis für Farben. Die schleimhaltigen Leinsamen können den Verdauungstrakt wunderbar unterstützen und sind zudem kulinarisch kreativ einsetzbar.
Und tatsächlich ist Lein auch abseits von Kleidung, Küche und Gesundheit erstaunlich vielseitig: Aufgrund des hohen Gehalts an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren härten Leinöle aus und werden daher seit Jahrhunderten etwa als Bindemittel für Pigmente zur Herstellung von Ölfarben sowie als Holzschutzmittel verwendet.
Pflanze
Die einjährige, krautige Pflanze aus der Familie der Leingewächse (Linaceae) wird etwa einen Meter hoch. Im Juni und Juli bildet sie fünfzählige blaue Blüten, die sich anschließend zu kugeligen Samenkapseln mit bis zu zehn Samen entwickeln.
Grundsätzlich stellt Lein keine hohen Ansprüche an Boden und Klima und ist damit auch landwirtschaftlich eine interessante Kulturpflanze. Je nach Nutzungszweck wird zwischen Faserlein zur Gewinnung langer Fasern für die Textilproduktion und Öllein zur Gewinnung ölreicher Samen unterschieden. Beim Faserlein sorgen lange, wenig verzweigte Stängel für besonders lange Fasern, die sich gut für die Herstellung von Leinen eignen. Öllein ist hingegen kürzer und stärker verzweigt, wodurch dieser mehr Samen ausbilden kann.
Durch seine vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten von Lebensmitteln wie Samen und Öl über Fasern bis hin zu Tierfutter und industriellen Produkten wie Farben, und seine vergleichsweise geringe Umweltbelastung ist Lein auch aus nachhaltiger Sicht eine interessante Kulturpflanze. Er kann in verschiedenen Regionen der Welt angebaut werden. Laut aktuellen Statistiken befinden sich die größten Anbaugebiete in Russland, Kasachstan, China, Kanada; in Europa führen Frankreich und Großbritannien die Liste an. Das Hauptanbaugebiet für Lein in Österreich liegt im Waldviertel in Niederösterreich.
Wirkungen & Anwendung von Lein
Der „Allernützlichste“ Leinsamen weist viele für uns Menschen zahlreiche positive Eigenschaften auf, darunter:
- Leberschützende Eigenschaften
- Reich an Ballaststoffen
- Reich an Omega-3-Fettsäuren
- Kann zur Unterstützung einer gesunden Verdauung beitragen
- Kann zur Unterstützung der Herz-Kreislauf-Gesundheit beitragen
- Kann möglicherweise das Risiko für bestimmte chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes reduzieren
Ganze oder leicht angestoßene Leinsamen quellen bei der Einnahme im Darm auf ein Vielfaches ihres Volumens an und können so bei Darmproblemen wie Verstopfung oder Reizdarm Abhilfe schaffen. Gleichzeitig schmieren die Schleimstoffe der Samenschale die Darmwände und sorgen so für einen „reibungslosen“ Abtransport. Direkt nach der Einnahme von Leinsamen (1 EL) sollte stets ausreichend Wasser nachgetrunken werden. Das Verhältnis von Samen zu nachgetrunkenem Wasser sollte dabei etwa 1:10 betragen.
Leinöl ist aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren ernährungsphysiologisch wertvoll. Omega-3-Fettsäuren können vom Körper nicht selbst produziert werden und müssen daher über die Nahrung zugeführt werden, weshalb Leinöl so zur Gesunderhaltung von Herz und Kreislauf beitragen kann. Zudem überzeugen Leinsamen durch ihren hohen Gehalt an Ballaststoffen, Magnesium und Eiweiß.
Tipps zu Kauf & Lagerung von Leinöl und Leinsamen
- Geschrotete Leinsamen: Geschrotete Leinsamen werden schneller harzig und ranzig als ganze Samen, denn das hochwertige Leinöl in den Leinsamen ist extrem empfindlich gegenüber Sauerstoff und oxidiert bei Kontakt mit Luft vergleichsweise schnell. Daher sollte man Leinsamen, wenn möglich, erst kurz vor dem Verzehr selbst im Mörser anstoßen. Leinsamen sollten zudem nicht länger als etwa ein Jahr gelagert werden.
- Leinöl: Am besten immer kaltgepresstes (natives) Leinöl kaufen, denn dieses wird ohne Zugabe von Hitze gepresst. Hitzeeinwirkung könnte die empfindlichen Omega-3-Fettsäuren zerstören. Leinöl ist als ungesättigtes Öl sehr luftempfindlich, schmeckt bereits nach kurzer Zeit bitter und sollte nach dem Öffnen kühl aufbewahrt werden. Selbst bei Lagerung im Kühlschrank kann nach einigen Tagen ein bitterer Geschmack entstehen. Das Leinöl sollte daher innerhalb von 6 Wochen aufgebraucht werden. Danach kann man es beispielsweise noch wunderbar zur Pflege von hölzernen Schneidbrettern oder zur Möbelpflege einsetzen.
Rezepte mit Lein
Leinsamen als veganer Ei-Ersatz
Leinsamen lassen sich ganz einfach als praktischer und veganer Ei-Ersatz verwenden, wenn es „nur“ um die Konsistenz geht (z.B. bei Keksen oder Muffins). Dafür einfach 1 Esslöffel Leinsamen in einem Mörser anstoßen und in 2 Esslöffeln Wasser etwa 5 Minuten quellen lassen.
Weitere Rezeptideen mit Leinsamen
Sekundärquellen:
Bühring, U. (2020). Alles über Heilpflanzen. Erkennen, anwenden und gesund bleiben (5. Auflage). Stuttgart: Ulmer Eugen Verlag.
BMLUK (o. D.). Leinöl. Online abrufbar unter: https://www.bmluk.gv.at/themen/lebensmittel/trad-lebensmittel/oel/leinoel.html (Zugriff 21.08.2026)
Ritter, C. (2019). Heimische Nahrungspflanzen als Heilmittel. Hamburg: Nikol Verlag
Lammers, K. (2023). Leinsamen. Online abrufbar unter: https://eatsmarter.de/lexikon/warenkunde/superfood/leinsamen (Zugriff 21.08.2026)
Primärquellen:
FAO – Food and Agriculture Organization of the United Nations (2024), FAOSTAT: Crops and livestock products. (Link)
Jhala, A. J., & Hall, L. M. (2010). Flax (Linum usitatissimum L.): current uses and future applications. Aust. J. Basic Appl. Sci, 4(9), 4304-4312. (Link)
Noreen, S., Tufail, T., Ul Ain, H. B., & Awuchi, C. G. (2023). Pharmacological, nutraceutical, and nutritional properties of flaxseed (Linum usitatissimum): An insight into its functionality and disease mitigation. Food Science & Nutrition, 11(11), 6820-6829. (Link)
Saleem, M. H., Ali, S., Hussain, S., Kamran, M., Chattha, M. S., Ahmad, S., … & Abdel-Daim, M. M. (2020). Flax (Linum usitatissimum L.): A potential candidate for phytoremediation? Biological and economical points of view. Plants, 9(4), 496. (Link)
Stavropoulos, P., Mavroeidis, A., Papadopoulos, G., Roussis, I., Bilalis, D., & Kakabouki, I. (2023). On the path towards a “Greener” EU: A Mini review on Flax (Linum usitatissimum L.) as a Case Study. Plants, 12(5), 1102. (Link)


