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Löwenzahn: unterschätzte Heilpflanze statt Unkraut

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    Löwenzahn ist eine wertvolle heimische Heilpflanze und unterstützt mit seinen Bitterstoffen unter anderem Leber, Nieren und Verdauung.

    Allgemeines & Trivia

    Der Löwenzahn gehört neben dem Gänseblümchen wohl zu den bekanntesten Wildpflanzen überhaupt. Leider gilt er bei vielen Gärtner:innen als lästiges Unkraut, dabei ist Löwenzahn eine wertvolle heimische Heilpflanze mit einem hohen Wirkungsspektrum für Küche und Hausapotheke.

    Die Pflanze begleitet den Menschen seit Jahrhunderten. Seine jungen Blätter bereichern Frühlingssalate, aus den leuchtend gelben Blüten lässt sich ein honigähnlicher Sirup herstellen und die gerösteten Wurzeln dienten in Kriegs- und Nachkriegszeiten als koffeinfreier Kaffee-Ersatz.

    Schon sein botanischer Name Taraxacum officinale verrät seine Bedeutung: Das „Artepitheton“ (also, der zweite lateinische Name) officinale stammt vom lateinischen officina, der Apotheken-Offizin. Pflanzen mit diesem Namenszusatz galten traditionell als anerkannte Arzneipflanzen. Bekannte Beispiele sind auch der Salbei (Salvia officinalis), Melisse (Melissa officinalis), oder der Rosmarin (Salvia rosmarinus).

    Ich finde es ja immer faszinierend, wenn sich Pflanzen bewegen können – und die Blüten des Löwenzahn tun genau das: Sie sind heliotrop, richten sich also im Tagesverlauf nach der Sonne aus. Zudem schließen sich die Blütenköpfchen bei Regen sowie bei Nacht und öffnen sich erst wieder bei trockenem Wetter und Sonnenschein.

    Pflanze

    Löwenzahn gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae). Typisch ist seine bodennahe Blattrosette, aus deren Mitte die hohlen, blattlosen Blütenstängel wachsen. Nach der Blüte entsteht die bekannte Pusteblume. Eine einzige Pflanze bildet dabei bis zu 3.000 Samen, die mithilfe ihrer kleinen Flugschirme weite Strecken zurücklegen können. Diese enorme Ausbreitungsfähigkeit hat dazu geführt, dass heute weltweit über 2.500 Löwenzahn-Arten bekannt sind.

    Je nach Standort verändert sich sogar das Aussehen der Blätter: An sonnigen Plätzen bleiben sie kleiner und stärker gezähnt, während sie im Schatten größer und tiefer gelappt sind. In Mitteleuropa liegt die Hauptblütezeit zwischen April und Mai. Einzelne Blüten erscheinen jedoch oft schon im zeitigen Frühjahr und bis in den Herbst hinein.

    Alle Pflanzenteile inklusive Stängel sind essbar und enthalten einen weißen Milchsaft. Letzterer hinterlässt zwar hartnäckige Flecken auf der Kleidung, ist aber entgegen dem Volksmund nicht giftig.

    Unter der Erde entwickelt der Löwenzahn eine kräftige Pfahlwurzel, die tief in den Boden eindringt und selbst verdichtete Böden oder kleine Asphaltfugen aufbrechen kann. Die Bitterkeit der Wurzel nimmt im Laufe des Jahres ab, sie ist also im Frühjahr am bittersten. Gleichzeitig variiert der Inulingehalt der Pflanze über das Jahr hinweg (im Frühjahr 2 %, im Herbst bis zu 40 %). Inulin ist ein pflanzlicher Speicherzucker, der den nützlichen Darmbakterien als Nahrung dient, die Verdauung somit unterstützt und zu einem stabileren Blutzucker- und Fettstoffwechsel beitragen kann. Wer also möglichst viele Bitterstoffe nutzen möchte, sammelt die Wurzel im Frühjahr. Für einen hohen Inulingehalt eignet sich dagegen der Herbst besser.

    Weniger bekannt ist, dass die Löwenzahn-Wurzeln Naturkautschuk enthalten. Besonders der Russische Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz) wird deshalb seit vielen Jahren erforscht. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten sowohl die Sowjetunion als auch Deutschland Löwenzahn als alternative Kautschukquelle, da Naturkautschuk damals knapp war. Inzwischen gilt diese Pflanzenart erneut als vielversprechender nachhaltiger Rohstoff für die Herstellung von Naturkautschuk.

    Wirkungen & Anwendung von Löwenzahn

    Löwenzahn zählt zu den wissenschaftlich gut untersuchten Heilpflanzen. Studien beschreiben unter anderem:

    • leberschützende (hepatoprotektive) Eigenschaften
    • harntreibende Wirkung
    • antioxidative Wirkung
    • entzündungshemmende Effekte
    • antivirale, antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften
    • antiarthritische Eigenschaften
    • antidiabetische Effekte
    • Unterstützung bei Übergewicht durch günstige Einflüsse auf den Fettstoffwechsel
    • sowie eine allgemeine Unterstützung des Immunsystems

    Vor allem die leberschützenden, antioxidativen und harntreibenden Wirkungen gelten als besonders gut untersucht. Wer Leber und Nieren etwas Gutes tun möchte, kann eine vierwöchige Tee- oder Saftkur durchführen.

    Auch kulinarisch ist Löwenzahn äußerst vielseitig. Die jungen Frühlingsblätter schmecken deutlich milder als ältere und passen hervorragend in Salate oder Kräutergerichte, ebenso wie die zarten Blütenstängel. Aus den gelben Blüten lässt sich ein aromatischer Honig-Ersatz herstellen, während die getrocknete und geröstete Wurzel als koffeinfreier Kaffee-Ersatz verwendet werden kann. Als Tinktur verarbeitet unterstützt die Wurzel durch ihre Bitterstoffe zusätzlich die Verdauung und fördert die Leberfunktion.

    Rezepte mit Löwenzahn

    Für einen Löwenzahntee empfiehlt sich ein Kaltansatz: 2 TL Blätter und/oder Wurzel klein schneiden und zunächst in kaltem Wasser. Anschließend langsam zum Kochen bringen und den Tee etwa zehn Minuten ziehen lassen. Da Löwenzahn die Harnausscheidung stark anregt, sollte nach jeder Tasse etwa drei Tassen Wasser nachgetrunken werden, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Aufgrund dieser entwässernden Wirkung sollte Löwenzahntee tagsüber getrunken werden, um die Nachtruhe nicht zu stören.

    Quellen:
    Erfahrung & Wissen basierend auf meiner Diplomausbildung,

    Bühring, U. (2020). Alles über Heilpflanzen. Erkennen, anwenden und gesund bleiben (5. Auflage). Stuttgart: Ulmer Eugen Verlag.
    Di Napoli, A., & Zucchetti, P. (2021). A comprehensive review of the benefits of Taraxacum officinale on human health. Bulletin of the National Research Centre, 45(1), 1-7. https://bnrc.springeropen.com/articles/10.1186/s42269-021-00567-1#Sec15
    Seilkhan, A. (2024). An overview of green applications of natural products for pharmaceutical, biofuel, and rubber industries: Case study of Kazakh Dandelion (Taraxacum kok-saghyz Rodin.). ES Energy and Environment, 25, 1171. https://www.espublisher.com/uploads/article_pdf/esee1171.pdf


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